Tag 2030 Mia

Ein Tag in Hessen

Der Tag im Jahr 2030 zeigt exemplarisch, welche Möglichkeiten sich auftun, wenn wir gemeinsam die Digitalisierung für unser Land erfolgreich gestalten. Angesichts von Hochleistungsnetzen und -prozessoren eröffnet sich ein Kosmos neuer Technologien und Anwendungen, sowohl im Privatbereich wie in Wirtschaft, Dienstleistung, Medizin, Bildung, Verwaltung und vielem mehr.

In unseren Beispielen plant das smarte Haus den Photovoltaik-Speicherplatz, Staus existieren kaum noch, da die Fahrspuren je nach Verkehrsaufkommen virtuell angepasst werden und autonomes Fahren menschliche Fehler unterbindet. Im Schulunterricht ist der virtuelle Besuch der ägyptischen Pyramiden möglich, etc. – für weitere Beispiele tauchen Sie ein in den Tag 2030!

Ein neuer Tag beginnt ...

Ein Tag in Hessen 2030 - schauen Sie rein!

Eineinhalb Stunden bis Sonnenaufgang in Ober-Ramstadt. Der Himmel ist klar. Temperatur: drei Grad Celsius. Tobias Haag wird bald aufstehen, sein smartes Haus startet bereits in den Tag. Auf Basis der aktuellen Wetterprognose plant es das Energiemanagement. Sonne ist angesagt! Für das Haussystem heißt das: Platz im Photovoltaik-Speicher schaffen und die Wärme im Haus reduzieren.

  • Tobias Haag: 59 Jahre, Geschäftsführer eines IT-Unternehmens. Er lebt in Ober-Ramstadt mit seiner Familie und nutzt sowohl beruflich als auch privat digitale Alltagshelfer.

Karben. Sophia Petrescu schläft noch. Auf ihrer Smartwatch treffen Meldungen ein: Ein Cyberangriff auf den Server, über den ihr Onlineshop läuft, konnte erfolgreich abgewehrt werden. Die in die Smartwatch integrierte digitale Assistentin entscheidet, dass Sophia weiterschlafen darf. Die KI hat dazu seit Jahren ihre Entscheidungen und Kommunikation analysiert. Sie kann sich sicher sein: Ihrem Geschäft droht keine Gefahr.

  • Sophia Petrescu: Sophia, 50 Jahre, hat aus einem kleinen Onlineshop für Sanitätsartikel ein Unternehmen mit fünf Angestellten entwickelt, das global ausliefert. Den größten Teil ihres Geschäfts machen KI-unterstützte Exoprothesen aus. Sophia ist selbst an Multipler Sklerose erkrankt.

 

Tobias will zu seinem ersten Kundentermin starten und ruft per Spracheingabe ein Robo-Taxi. Ein eigenes Auto hat er seit drei Jahren nicht mehr. Unterwegs nach Frankfurt nimmt das Elektroauto zwei Zusteigende auf, die das gleiche Ziel haben. Auf der extra für Mehrpersonenfahrten reservierten Fahrspur gelangt Tobias ohne große Hindernisse in die City. Morgendliche Staus auf der Autobahn kommen nur noch selten vor, denn die Fahrspuren können je nach Verkehrsaufkommen virtuell angepasst werden. Für die Fahrzeugsysteme sind sie deutlich erkennbar.

Unterrichtsbeginn. Mia Nolte aktiviert ihren Rechner. Heute nimmt sie von zuhause am Unterricht teil. Ihre Stärken liegen in Geschichte und Biologie. Deshalb freut sich Mia heute besonders auf den virtuellen Besuch der ägyptischen Pyramiden mit einem digitalen Geschichtserzähler. Längst arbeiten sie in der Schule nicht mehr nur mit mobilen Endgeräten. Technologien des räumlichen Internets lösen Smartphones und Tablets mit ihren empfindlichen Displays zunehmend ab. Bilder und Inhalte werden jetzt einfach auf geeignete Flächen der Umgebung oder spezielle Datenbrillen projiziert. Mia taucht ein in die Welt des alten Ägypten...

  • Mia Nolte: 12 Jahre, wohnt in Nieste und besucht die Astrid-Lindgren-Schule in Kassel. Sie liest gern animierte E-Books und chattet mit ihren Freundinnen. Ihr Berufswunsch ist Archäologin oder Ärztin.

Karim Khalil kommt heute für Wartungsarbeiten zu Tobias Haags‘ Wohnanlage nach Ober-Ramstadt. Schon als Jugendlicher interessierte er sich für Umwelt- und Klimaschutz. Nach dem Mittleren Schulabschluss begann er eine Ausbildung zum Anlagenelektroniker für Heizungs- und Klimatechnik. Der Beruf sprach ihn an, weil er sehen konnte, dass zunehmend qualifiziertes Personal für den Einsatz erneuerbarer Energien und die vernetzte Stromspeicherung benötigt wird. Die digitale Steuerungstechnik von Tobias‘ Haussystem wartet er gern und ist fasziniert von ihrer Energieeffizienz.

  • Karim Khalil: 29 Jahre, Anlagenelektroniker, geboren in Syrien. Er wohnt mit seinen Eltern bereits seit 15 Jahren in Deutschland und ist in Rasdorf in der Rhön heimisch geworden.

Währenddessen ist Tobias bei seiner ersten Klientin angekommen: Sophia Petrescu. Er hilft ihr, die Kundenprozesse in ihrem Onlineshop zu verbessern. Dank KI-gestützter Automation laufen viele Kommunikations- und Bestellschritte selbsttätig. Sie kann persönlich notwendige Arbeiten auch von zuhause aus erledigen, wenn ihre Erkrankung sie ausbremst im Alltag. Dank KI-gestützter Diagnostik und gezielter Behandlungsmethoden geschieht dies immer seltener.

Maria Hoffmann hat heute einen Vorsorgetermin – mithilfe ihrer Smartwatch. Nach einer roboter-gestützten Herzklappen-OP geht sie regelmäßig mit der medizinischen Assistentin ihrer Gesundheits-App ihre Vitalwerte durch. Dazu hat ihre Smartwatch diese auf ihre elektronische Patientenakte hochgeladen. Es zeigt sich, dass die Dosierung ihrer Herzmittel an die neuen Werte angepasst werden muss. Das E-Rezept geht automatisch an die Apotheke, die sie noch am gleichen Tag beliefern wird. Ihre Ärztin erklärt ihr im Videocall die neue Dosierung. Die Memory-Funktion aktiviert sich automatisch: Sie wird in einer Woche mit Maria über ihre Erfahrungen sprechen.

  • Maria Hoffmann: 90 Jahre, ehemalige Postangestellte aus Fechenheim, lebt nach dem Tod ihres Mannes vor sechs Jahren in einem sozialen Quartiersprojekt mit altersgerechten Wohnungen und Infrastruktur.

Tina Schäfer ist Mitglied einer Arbeitsgruppe, die Praxiserfahrungen aus dem Logistiksektor mit vernetzter Sensortechnik in Produktionsanlagen auswertet. Die entstehenden Daten sorgen sowohl für Zeit- und Ressourcenersparnis bei den Industrie-unternehmen als auch für eine bessere Verkehrslenkung und CO2-Einsparung. Gleichzeitig muss aber gewährleistet sein, dass keine Firmendaten zweckentfremdet werden. Tina diskutiert im Team ihre Ergebnisse. Ihrer Meinung nach sollte man auf diesem Feld mit anonymisierten Werten einen Open-Data-Ansatz verfolgen. Die Spielräume dafür sieht sie nicht ausgereizt. Eine Kollegin aus ihrer Arbeitsgruppe hat einen wissenschaftlichen Blog-Beitrag zum Thema geschrieben. Tina liest ihn ein letztes Mal Korrektur, bevor sie ihn in ihrer virtuellen Fachwelt veröffentlicht.

  • Tina Schäfer: 30 Jahre, Wirtschaftsinformatikerin und Junior Fellow Informatik am hessian.AI. Früher pendelte sie von Darmstadt nach Frankfurt, heute arbeitet sie mobil in verschiedenen Instituten oder von zuhause.

Julius Gärtner teilt den Beitrag aus dem Forschungs-Blog in seinem beruflichen Netzwerk. Wie er sind viele hier Verfechter der Open-Data-Idee. Angefangen hat er mit den Kolleginnen und Kollegen in seiner Agentur bereits während des Studiums mit der gemeinsamen Vermarktung ihrer Comic-Zeichnungen und Online-Spiele. Heute designen sie für Softwarehersteller nutzerfreundliche Apps und digitale Bedienoberflächen für Heimroboter. Räumlich über die ganze Region verteilt, arbeiten sie gerne auch als Remote-Team zusammen. Sie wechseln dabei zwischen kreativen Präsenzrunden und agilen Abstimmungsgesprächen in einer virtuellen Welt. Diese Art des Coworkings nutzen mittlerweile viele Unternehmen und Organisationen.

  • Julius Gärtner: aus Kassel, 39, selbstständig. Er arbeitet in seiner Agentur als Spezialist für User Experience Design, der nutzerorientierten Gestaltung interaktiver Systeme.

Costas Nikolaidis beantragt in der Mittagspause im Digitalen Rathaus die Verlängerung seines Personalausweises. Durch die elektronische Antragstellung leitet ihn ein sprechender Chatbot und die bürgerfreundliche Nutzeroberfläche, die von Julius entwickelt wurde. Die Bedienung von IT-Systemen fiel Costas früher schwer. Dank verschiedener Fortbildungen kontrolliert er heute die digitale Kommissionierung der Waren- und Bestandsänderungen. Die dafür eingesetzte Datenbrille ist inzwischen sein ständiger Begleiter. »Sein« Lager und die Logistik hat er voll im Griff. Er freut sich auf den Videochat am Abend mit seiner Enkelin Mia. Sie will ihm von ihren neuen, virtuellen Entdeckungsreisen durch die Geschichte erzählen.

  • Costas Nikolaidis: aus Wiesbaden, 64 Jahre, verheiratet, zwei erwachsene Kinder. Der gelernte Fachlagerist arbeitet im Lager eines Chemieunternehmens.

Anna Pfeiffer hat heute Nachmittag frei. Ihr Partner und sie schätzen seit der Geburt ihrer Tochter die Flexibilität digitaler Arbeit umso mehr. Beide arbeiten in der Pflege, sowohl auf Station als auch von zuhause im Pflegemanagement. Anna gibt zudem digitalen Unterricht für Auszubildende. Über eine nichtkommerzielle Nachbarschafts-App hat sie gerade den Wocheneinkauf beim Lebensmittelhändler um die Ecke erledigt. Jetzt genießt sie ihre freie Zeit mit dem Besuch einer Sonderausstellung im Frankfurter Weltkulturen-Museum – einem Online-Rundgang. Mit dem freien WLAN kann sie gleichzeitig den Nachmittag in einem Straßencafé genießen und Maria Hoffmann davon via Chat-App berichten. Die beiden kennen sich, seitdem Maria vor zwei Jahren auf ihrer Station lag.

  • Anna Pfeiffer: 35 Jahre, Krankenpflegerin auf der Herz-Station im Universitätsklinikum Marburg. Durch digitale Helfer auf der Station ist sie in ihrer Arbeit in den letzten Jahren deutlich entlastet worden. Ihr bleibt mehr Zeit für den persönlichen Kontakt.

Sophia Petrescu geht mit ihrer französischen Partnerin ganz real ins Theater. Die beiden nutzen Ehrenamtskarten, die sie für ihr Engagement als »Digital-Mentorinnen« einer Förderschule in Karben erhalten haben. Es läuft »Woyzeck« in einer zeitgenössischen Bearbeitung, für ihre Begleiterin mithilfe einer KI-basierten Simultanübersetzung in ihrem Headset. Am analogen Theatererlebnis hat sich, zur Zufriedenheit des wachsenden Publikums, in den vergangenen zehn Jahren nichts verändert

In Hessen werden – von Bad Karlshafen bis Hirschhorn – die Lichter langsam heruntergedimmt. Zentrale Plätze und Verkehrswege bleiben weiterhin hell. In den Wohnvierteln und Dörfern dagegen, wo die Menschen zu Bett gehen, wird es dunkel. Nur noch dort, wo einzelne Autos und Menschen mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs sind, erleuchtet wie von Zauberhand die Straße und begleitet sie sicher auf ihrem Weg.

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