Hessische Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung

Stärkung der Zusammenarbeit beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz

Im Rahmen einer Reise mit einer hessischen Fachdelegation hat die Hessische Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus vergangene Woche in Kanada die Städte Toronto, Ottawa und Montreal besucht und sich zu den Themen Künstliche Intelligenz (KI), Rechenzentren und Quantencomputing informiert. Begleitet wurde die Ministerin von Prof. Dr. Mira Mezini, Co-Direktorin von hessian.AI, Prof. Dr.-Ing. Klaus David, Lehrstuhlinhaber für Kommunikationstechnik an der Universität Kassel, Prof. Dr. Dieter W. Fellner, Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung IGD und Leiter am Zentrum für Angewandtes Quantencomputing, Prof. Dr. Sebastian Omlor, Professor für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht, Bankrecht sowie Rechtsvergleichung an der Philipps-Universität Marburg und Sprecher der Projektgruppe Tokenisierung und Finanzmarkt am Zentrum verantwortungsbewusste Digitalisierung (ZEVEDI) sowie seitens der Rechenzentrumsbetreiber Béla Waldhauser, CEO der Telehouse Deutschland GmbH und Jens Peter Feidner, Geschäftsführer, Equinix Deutschland GmbH.

Auf der Agenda standen unter anderem Fachgespräche mit Ministerinnen und Ministern sowie diplomatischen Vertreterinnen und Vertretern, der Besuch von Unternehmen und Start-ups, wissenschaftlichen Einrichtungen, Universitäten und Rechenzentren. Bei vielen Gesprächen ging es um eine intensivere Zusammenarbeit vor allem im Bereich der Künstlichen Intelligenz und um die Frage, wie Start-ups unterstützt werden können. Kanada hat eine interessante Start-up-Szene mit innovativen Ansätzen im Bereichen der Künstlichen Intelligenz. Deutschland könne hier viel von Kanada lernen, befanden die Teilnehmenden der Reise. Dank der 2017 entwickelten Strategie für Künstliche Intelligenz, die mit erheblichem staatlichem Kapital umgesetzt wurde, habe Kanada erhebliches Wachstumspotenzial in dieser Branche erreicht und zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen.

KI-Innovationsökosystem

„Wir haben spannende Eindrücke gewonnen, wie Kanada dem zunehmenden Energiebedarf von Rechenzentren begegnet und inwieweit der Einsatz der Künstlichen Intelligenz voranschreitet. Der aktive Umgang mit dieser Schlüsseltechnologie unserer Zeit verbindet Kanada mit Hessen und gleichzeitig konnten wir auch interessante Impulse mitnehmen“, sagte Digitalministerin Sinemus. So öffne Kanada für die Entwicklung des nationalen Ökosystems mehr Spielraum als die EU, denn ihre kurz vor der Verabschiedung stehende KI-Regulierung sieht in verschiedenen Teilbereichen nicht so strenge Vorgaben vor wie der Brüsseler Vorschlag. „Der kanadische Weg ist aus meiner Sicht ein guter Kompromiss einer zu strikten EU-Regulierung, die Innovationen verhindert, und einem kaum regulierten amerikanischen Weg. Wir müssen jetzt die Weichen dafür stellen, dass Europa bei Zukunftstechnologien wie KI wettbewerbsfähig bleibt und Innovationen nicht durch Überregulierung ausgebremst werden. Der aktuelle Entwurf der KI-Verordnung der EU schafft für Unternehmen keine Planungssicherheit beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Damit gefährden wir den Wirtschaftsstandort Hessen“, so Sinemus weiter. Dies sei umso bedauerlicher, weil gerade in Hessen mit der KI-Zukunftsagenda und Leuchtturmprojekten wie hessian.AI, ZEVEDI, dem KI-Innovationslabor oder dem AI Quality & Testing Hub eine deutliche Dynamik in das KI-Ökosystem gebracht werde.

Prof. Dr. Mira Mezini, Co-Direktorin von hessian.AI: „Die Reise hat nicht nur gezeigt, dass das Land Hessen mit hessian.AI den richtigen Weg eingeschlagen hat, um ein wettbewerbsfähiges KI-Innovationsökosystem aufzubauen. Der Besuch der international renommierten Forschungsinstitute Vector und Mila hat aber auch die Potenziale für eine Weiterentwicklung der bisherigen Aktivitäten sichtbar gemacht und gezeigt, welche Anstrengungen notwendig sind, um international wettbewerbsfähig zu sein.”

Attraktive Ideen und Kooperationsmöglichkeiten

Prof. Dr.-Ing. Klaus David, Lehrstuhlinhaber für Kommunikationstechnik an der Universität Kassel: „Es haben sich attraktive Ideen und Kooperationsmöglichkeiten für die Forschungen in der Informatik und für das Wissenschaftliche Zentrum für Informationstechnik-Gestaltung (ITeG) an der Universität Kassel ergeben. Dies unterstützt, die enormen Potentiale von KI für uns in Hessen zu erschließen. Es wurde allerdings auch sehr deutlich, dass es wichtig ist, dass die deutsche Politik eine überbordende Bürokratie deutlich reduzieren muss oder unser Wohlstand wird zukünftig reduziert.“

Prof. Dr. Dieter W. Fellner, Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung IGD und Leiter am Zentrum für Angewandtes Quantencomputing: „Die Delegationsreise hat aufgezeigt, wo Kanada im Bereich der Forschungsförderung und bei den Anreizsystemen einen beachtlichen Vorsprung zu Hessen hat. Deutlich wurde aber auch, dass Kanada eine Vielfalt von interessanten Kooperationsmöglichkeiten bietet.

Entwicklungsvorsprung

Prof. Dr. Sebastian Omlor, Professor für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht, Bankrecht sowie Rechtsvergleichung an der Philipps-Universität Marburg und Sprecher der Projektgruppe Tokenisierung und Finanzmarkt am Zentrum verantwortungsbewusste Digitalisierung (ZEVEDI): „Die kanadische KI-Spitzenforschung wird maßgeblich von interdisziplinären Forschungseinrichtungen wie dem von der Delegation besuchten CIFAR vorangetrieben. Einen ähnlichen Weg hat der Geschäftsbereich der hessischen Digitalministerin mit ZEVEDI überaus erfolgreich begonnen, der nun inspiriert durch Kanada kraftvoll weitergeführt und ausgebaut werden sollte.“

Béla Waldhauser, CEO der Telehouse Deutschland GmbH und Jens Peter Feidner, Geschäftsführer, Equinix Deutschland GmbH: „Bei den digitalen Infrastrukturen hat Hessen einen klaren Entwicklungsvorsprung vor Kanada. Insbesondere die Dichte bei der Vernetzung von Industrien ist in Deutschland viel intensiver und ein klarer Vorteil für die Kunden. Es war auch interessant zu sehen, dass selbst in einem so kalten Land wie Kanada, die Abwärmenutzung nur bedingt möglich ist. Es gibt durchaus Projekte, aber auch diese sind weit weg von zweistelligen ERF-Werten, wie sie zukünftig in Deutschland gefordert werden sollen.“

Land zukunftssicher aufstellen

Vielfach thematisiert wurden in den Gesprächen die Hessische KI-Zukunftsagenda und ihre Bausteine. „Hessen hat das Potenzial, das Silicon Valley Europas zu werden und wir als Landesregierung investieren in die Zukunftstechnologie KI, um Hessen in Stadt und Land zukunftssicher aufzustellen – beispielsweise mit hessian.AI, ZEVEDI, dem KI-Innovationslabor und dem AI Quality & Testing Hub. Die Vision, das Silicon Valley Europas zu werden, konnte von den Kanadiern gut nachvollzogen werden. Denn uns eint, dass wir wertebasierte KI entwickeln wollen. Wir sind gemeinsam davon überzeugt, dass KI ihr Potenzial nur entfalten kann, wenn Menschen Vertrauen in die Entwicklung und in den Einsatz von KI haben“, schloss die Ministerin.