Wie viele Autos fahren durch ein Wohnquartier? Wo sind besonders viele Menschen mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs? Und wie verändern sich Verkehrsströme, wenn an anderer Stelle eingegriffen wird? Wiesbaden will solche Fragen künftig auf einer besseren Datengrundlage beantworten. Das Projekt „SmartMove Wiesbaden“ soll dafür sorgen, dass künftig auch aus Wohnquartieren zuverlässige Verkehrsdaten vorliegen. Möglich wird das Vorhaben durch die Förderung smarter Kommunen und Regionen im Programm „Starke Heimat Hessen“. Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus hat den Förderbescheid über 150.000 Euro nun auf den Weg gebracht.
„Gute Verkehrsplanung braucht gute Daten. Auf den großen Verkehrsachsen wissen Städte schon heute ziemlich genau, wie sich der Verkehr entwickelt. In vielen Wohnquartieren fehlen solche Informationen dagegen. Wiesbaden schließt diese Lücke mit digitaler Technik und schafft damit eine bessere Grundlage für konkrete Entscheidungen – etwa für einen sicheren Rad- und Fußverkehr oder den Umgang mit Durchgangsverkehr in Wohngebieten“, sagte Sinemus.
Geplant ist die Anschaffung von rund 13 mobilen Kamerasystemen. Anders als fest installierte Verkehrszähler können sie kurzfristig an unterschiedlichen Orten eingesetzt und nach wenigen Tagen wieder versetzt werden. Die Systeme sollen verschiedene Verkehrsarten erfassen – vom Auto über das Fahrrad bis zu Fußgängerinnen und Fußgängern. Dadurch kann Wiesbaden mit vergleichsweise wenigen Geräten nach und nach Daten aus unterschiedlichen Wohnquartieren gewinnen. Die Systeme sollen autark arbeiten und benötigen weder Tiefbau noch einen dauerhaften Stromanschluss.
Die Kamerasysteme sind datenschutzkonform und sollen KI-gestützt arbeiten. Die gewonnenen Verkehrsdaten fließen über Schnittstellen in die bestehende Verkehrsleitzentrale der Stadt. Damit entsteht kein neues Parallelsystem. Stattdessen werden die bereits vorhandenen Daten über das Hauptverkehrsnetz um Informationen aus Nebenstraßen und Wohnquartieren ergänzt.
„Wer in einem Wohnquartier lebt, möchte sicher zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad unterwegs sein und möglichst wenig unnötigen Durchgangsverkehr vor der Haustür haben. Damit Städte ihre Verkehrsplanung an solchen Bedürfnissen ausrichten können, müssen sie wissen, was auf ihren Straßen tatsächlich passiert. Wiesbaden schafft dafür mit unserer Förderung eine wichtige Grundlage“, so Sinemus.
Bessere Planung und erhöhte Verkehrssicherheit
Die zusätzlichen Daten sollen insbesondere dabei helfen, den Fuß- und Radverkehr besser zu planen und die Verkehrssicherheit in Wohnquartieren zu erhöhen. Denkbar sind auf dieser Grundlage beispielsweise neue Rad- und Fußverkehrsführungen, Fahrradstraßen oder temporäre Sperrungen. Auch Konzepte wie sogenannte Superblocks, bei denen der Durchgangsverkehr in Wohnquartieren reduziert wird, können mithilfe der Daten untersucht werden. Zugleich lassen sich Verdrängungseffekte besser erkennen, wenn Verkehrsmaßnahmen an anderer Stelle zu neuen Belastungen führen.
Das Projekt wird schrittweise umgesetzt. Zunächst sollen drei bis vier mobile Systeme in einem ausgewählten Quartier getestet werden. Nach der Auswertung dieser Pilotphase werden Technik, Software und Schnittstellen bei Bedarf angepasst, bevor die weiteren Geräte beschafft werden. Insgesamt sollen die Systeme in zwei bis drei unterschiedlich strukturierten Quartieren erprobt werden. Aus den Erfahrungen will Wiesbaden Handlungsempfehlungen für den späteren Einsatz und für die datenbasierte Verkehrsplanung entwickeln. Die Erkenntnisse sollen anschließend auch anderen hessischen Kommunen zur Verfügung stehen. Wiesbaden will unter anderem Erfahrungen zu Technik, Datenschutz, Integration und Betrieb dokumentieren und über Austauschformate und Workshops weitergeben.
„Bislang wissen wir viel über den Verkehr auf den großen Straßen, aber zu wenig über das, was direkt vor der Haustür passiert. Mit ‚Smart Move‘ schließen wir diese Lücke. Wir machen sichtbar, wie sich der Verkehr tatsächlich durch unsere Wohnquartiere bewegt, und schaffen damit die Grundlage für gezieltere Entscheidungen: mehr Sicherheit, weniger Verkehrsdruck und mehr Lebensqualität für die Menschen vor Ort“, erläutert Marc Dahlen, Dezernent für Recht und Mobilität der Stadt Wiesbaden.
Hintergrund zum Förderprogramm "Starke Heimat Hessen"
Mit dem Programm „Starke Heimat Hessen“ werden die Kommunen bei wichtigen Zukunftsprojekten unterstützt. Über die Förderung smarter Kommunen und Regionen im Programm „Starke Heimat Hessen“ stellt das Land seit 2021 rund 15,5 Millionen Euro jährlich für kommunale Digitalisierungsvorhaben bereit. Bisher wurden beziehungsweise werden 149 Vorhaben mit einer Gesamtfördersumme von rund 110 Millionen Euro bewilligt. Seit 2025 ergänzt eine neue Förderlinie das Programm: Sie unterstützt die Nachnutzung erprobter, datenplattformbasierter Lösungen. Seit 2026 werden Kommunen zusätzlich über das neue Förderprogramm „kommunal.digital.hessen“ bei der Implementierung von Basistechnologien zur Verwaltungsdigitalisierung aus Mitteln des Programms „Starke Heimat Hessen“ unterstützt.
Um die Kommunen zu unterstützen, Austausch und Vernetzung zu ermöglichen, hat die Hessische Landesregierung im Frühjahr 2020 die Geschäftsstelle Smarte Regionen im Haus der Digitalministerin eingerichtet. Durch die Formate des Wissenstransfers der Geschäftsstelle Smarte Region, etwa durch die Best-Practice-Datenbank oder Erfahrungskreise, profitieren auch nicht geförderte Kommunen von der Förderung.
Nähere Informationen finden Sie unter Förderprogramm Starke Heimat HessenÖffnet sich in einem neuen Fenster sowie unter Smarte Region HessenÖffnet sich in einem neuen Fenster.