Wie können mehr Frauen für den Einstieg, Wiedereinstieg oder Quereinstieg in die IT gewonnen werden? Welche Rahmenbedingungen braucht es und welche Beispiele aus der Praxis zeigen, wie dies bereits heute gelingt? Dies sind einige Fragen, die bei der heutigen Veranstaltung „IT-Branche und Frauen – Möglichmacherin und Chancengeberin“ thematisiert wurden. Prof. Dr. Kristina Sinemus, Ministerin für Digitalisierung und Innovation, sowie Heike Hofmann, Ministerin für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales, hatten gemeinsam dazu nach Frankfurt eingeladen.
„In IT-Berufen geht es nicht nur um Technik, sondern auch viel um Kreativität, Organisation und Kommunikation. Daher wollen wir mit unseren unterschiedlichen Aktivitäten seitens des Digitalministeriums auf die Möglichkeiten hinweisen und Mädchen und junge Frauen für das Thema sensibilisieren und ihr Interesse wecken. Wir müssen Stereotype aufbrechen. Zudem ist es wichtig, dass qualifizierte Frauen bei zukunftsweisenden Technologien wie Künstlicher Intelligenz oder Quantencomputing gleichberechtigt an der Entwicklung mitwirken“, unterstrich Digitalministerin Sinemus. Das Digitalministerium bietet unter anderem bei Veranstaltungen in der Reihe „Women go digital“ die Möglichkeit, dass Frauen sich austauschen und Rollenvorbilder sichtbar werden. Die „Tech-IT-Out-Touren“ für Schülerinnen und Schüler ermöglichen vielfältige Einblicke in Unternehmen mit IT- oder Digitalbezug. Auf internationaler Ebene setzt sich Ministerin Sinemus zudem im europäischen Frauennetzwerk Elevate für das Thema ein.
Arbeits- und Sozialministerin Hofmann wies auf das große Potenzial hin, das gerade Frauen in Teilzeit darstellten: „Allein in Hessen fehlen den Prognosen zufolge bis 2030 etwa 240.000 Fachkräfte. Das trifft natürlich auch den IT-Bereich, in dem der Bedarf schon jetzt ungebrochen hoch ist. Mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung und unseren Wohlstand müssen wir alle uns zur Verfügung stehenden Ressourcen nutzen: Etwa die Hälfte aller berufstätigen Frauen in Hessen arbeitet in Teilzeit – viele von ihnen geben aber an, mehr arbeiten zu wollen“, führte Hofmann aus und verwies dabei auf die Teilzeitbefragung im Hessischen Lohnatlas.
Impulse für Einstieg und Wiedereinstieg
„Unser Ziel ist, dass Teilzeitkräfte, die wollen, ihre Arbeitszeit aufstocken können. Dafür die Rahmenbedingungen zu schaffen, ist eine Aufgabe, die Politik und Wirtschaft gemeinsam lösen müssen. Wir tragen unseren Teil dazu bei, indem wir etwa frühkindliche Bildung und Betreuung weiter stärken und ausbauen und so die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern“, so die Arbeits- und Sozialministerin. Doch auch die Arbeitgeber seien gefordert, etwa mit flexibleren Arbeitszeitmodellen und Homeoffice-Regelungen dazu beizutragen, dass sich Vollzeitjobs und familiäre Verpflichtungen besser miteinander verbinden lassen. Zudem könnten auch Teilzeitausbildungen ein guter Weg sein, den Ein- bzw. Wiedereinstieg ins Arbeitsleben zu ermöglichen.
Der Frauenanteil unter IT-Fachkräften liegt laut Bundesagentur für Arbeit bei nur 18 Prozent, zudem sind Frauen bei entsprechenden Ausbildungen oder Studiengängen deutlich unterrepräsentiert. Gleichzeitig fehlen laut Bitkom-Studie in der deutschen Wirtschaft rund 109.000 IT-Fachkräfte. Auch im Jahr 2026 sind laut der Bitkom-Umfrage noch 43 Prozent der Unternehmen der Ansicht, Männer seien für IT- und Digitalberufe besser geeignet. In fast jedem zweiten Unternehmen (48 Prozent) herrscht die Meinung vor, IT- und Digitalberufe würden Frauen abschrecken. In einer Keynote stellte Silke Kanes, Vorständin eco Verband der Internetwirtschaft, unter dem Titel „IT-Branche im Umbruch: KI-Zeitalter bietet neue Chancen für mehr Frauen“ Möglichkeiten in der IT-Branche vor. Aus wissenschaftlicher Perspektive berichtete Dr. Christa Larsen, Leiterin des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur an der Goethe-Universität Frankfurt über „Hessens Hidden Champions Frauen: wertvolles Fachkräftepotential für Hessens IT“. In einem Panel-Talk sprachen Vertreterinnen und Vertreter von Bitkom, Equinix Germany GmbH sowie des Frauenkompetenzzentrums Darmstadt über Möglichkeiten, das Fachkräftepotential zu heben. Die Teilnehmerinnen der Veranstaltung hatten zudem die Möglichkeit, sich bei einem „Markt der Möglichkeiten“ über unterschiedliche Initiativen zu informieren und in den Austausch zu kommen.