Im August 2024 waren wieder mehr als 100 Feuerwehreinsätze nötig. Damit Vellmar künftig früher reagieren kann, baut die Stadt nun ein digitales Starkregen- und Hochwasserfrühwarnsystem auf. Möglich wird das Projekt „Vellmar.Warn“ durch die Förderung smarter Kommunen und Regionen im Programm „Starke Heimat Hessen“. Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus hat den Bescheid über rund 320.000 Euro nun auf den Weg gebracht.
„Die Folgen des Klimawandels machen sich auch in Hessen immer häufiger durch Starkregen und Hochwasser bemerkbar. Deshalb investieren wir gezielt in digitale Frühwarnsysteme, die Menschen schützen und Einsatzkräfte unterstützen“, sagte Sinemus. Mit dem Projekt in Vellmar geht die Flächendeckung intelligenter Warnsysteme voran. „So zeigen wir, wie Digitalisierung ganz konkret dazu beiträgt, Leben zu schützen, Schäden zu begrenzen und unsere Kommunen widerstandsfähiger gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels zu machen“, betonte die Ministerin. Seit 2021 hat das Hessische Digitalministerium in zahlreichen Kommunen Starkregenfrühalarmsysteme gefördert. Mit den 2026 neu ausgesprochenen Förderungen gibt es nun beziehungsweise künftig auf rund 57 Prozent der Fläche Hessens ein Warnsystem. Damit profitieren rund 62 Prozent der Bevölkerung. Aktuell oder künftig gibt es in 14 der 21 hessischen Landkreise sowie in drei der sechs kreisfreien Städte ein derartiges Warnsystem.
Schutzmaßnahmen einleiten
Besonders gefährdet ist Vellmar durch seine Lage an Ahne und Elsche. Hinzu kommt die dichte Bebauung: Wo viele Flächen versiegelt sind, kann Regenwasser schlechter versickern. Bei starken Niederschlägen kann das Wasser deshalb innerhalb kurzer Zeit Straßen, Keller und öffentliche Gebäude überfluten. Das neue System soll laufend Daten zu Regen, Wasserständen und Bodenfeuchtigkeit auswerten. Hinzu kommen Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes. Künstliche Intelligenz soll daraus berechnen, wo Starkregen oder Hochwasser drohen. Nach den Planungen der Stadt sollen solche Risiken bis zu zwei Stunden im Voraus erkannt werden können. Wird ein kritischer Wert erreicht, soll das System automatisch warnen. Feuerwehr, Bauhof und Verwaltung können sich dadurch früher auf einen Einsatz vorbereiten, zum Beispiel Straßen sperren, Material bereitstellen oder andere Schutzmaßnahmen einleiten. Auch Bürgerinnen und Bürger sollen aktuelle Informationen und Warnungen erhalten.
Vellmar beginnt dabei nicht bei null. Die Stadt greift auf Erfahrungen zurück, die Eschborn und Kronberg mit ihrem gemeinsamen Projekt „Follow the Stream“ sammeln konnten. Dort werden bereits Wetter-, Wasser- und andere Messdaten miteinander verknüpft, um Gefahren früh zu erkennen. Vellmar übernimmt bewährte Teile dieser Lösung und passt sie an die eigenen Gegebenheiten an Ahne und Elsche an. „Genau das ist die Idee unseres Förderprogramms smarte Kommunen und Regionen im Programm ‚Starke Heimat Hessen‘: Eine gute digitale Lösung soll nicht an einer Stadtgrenze enden. Wenn sich etwas in einer Kommune bewährt, sollen andere davon profitieren und es für ihre eigenen Bedürfnisse weiterentwickeln können“, sagte Sinemus. Die dem Warnsystem zugrundeliegende Datenplattform soll später noch für weitere Aufgaben genutzt werden können. Denkbar sind zum Beispiel Echtzeit-Verkehrsanalysen bei einem Katastrophenfall oder die Auswertung von Umweltdaten.
„Frühwarnsysteme sind der Schlüssel zur Minderung von Starkregenschäden sowie zum Schutz unserer Stadt und unseren Bürgerinnen und Bürgern. Die vergangenen Ereignisse haben gezeigt, dass ein Frühwarnsystem Schäden hätte reduzieren können“, sagte Bürgermeister Manfred Ludewig.
Hintergrund Förderprogramm „Starke Heimat Hessen“
Mit dem Programm „Starke Heimat Hessen“ werden die Kommunen bei wichtigen Zukunftsprojekten unterstützt. Über die Förderung smarter Kommunen und Regionen im Programm „Starke Heimat Hessen“ stellt das Land seit 2021 rund 15,5 Millionen Euro jährlich für kommunale Digitalisierungsvorhaben bereit. Bisher wurden beziehungsweise werden 149 Vorhaben mit einer Gesamtfördersumme von rund 110 Millionen Euro bewilligt. Seit 2025 ergänzt eine neue Förderlinie das Programm: Sie unterstützt die Nachnutzung erprobter, datenplattformbasierter Lösungen. Seit 2026 können Kommunen im neuen Förderprogramm „kommunal.digital.hessen“ eine Förderung von Basistechnologien zur Verwaltungsdigitalisierung aus Mitteln des Programms „Starke Heimat Hessen“ beantragen.
Um die Kommunen zu unterstützen, Austausch und Vernetzung zu ermöglichen, hat die Hessische Landesregierung im Frühjahr 2020 die Geschäftsstelle Smarte Regionen im Haus der Digitalministerin eingerichtet. Durch die Formate des Wissenstransfers der Geschäftsstelle Smarte Region, etwa durch die Best-Practice-Datenbank oder Erfahrungskreise, profitieren auch nicht geförderte Kommunen von der Förderung.