Hessisches Ministerium für Digitalisierung und Innovation

KI erkennt Antworten im Sprachtest

Digitalministerium fördert KI-Projekt von Acousticon Hörsysteme GmbH und Goethe-Universität Frankfurt mit fast 500.000 Euro

Die Zahl der Menschen mit relevanter Schwerhörigkeit in Deutschland wird auf fünf bis elf Millionen Menschen geschätzt. Tests zum Hörvermögen sind daher besonders wichtig, aber sie sind personalintensiv. Eine sogenannte Hör-KI soll nun Entlastung für die Hörakustiker bringen. Das Tool will die Acousticon Hörsysteme GmbH aus Reinheim in Kooperation mit der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt entwickeln. Das Hessische Ministerium für Digitalisierung und Innovation fördert das dreijährige Projekt „Entwicklung und Evaluation einer digitalen automatisierten Hördiagnostik mit interaktiver KI-basierter Antworterkennung“, das im Januar begonnen hat, mit fast 500.000 Euro aus seinem Programm Distr@l.

KI für konkrete Hilfe im Alltag

„Gutes Hören ist ein entscheidender Faktor für Lebensqualität und gesellschaftliche Teilhabe. Mit der Förderung des Projekts zur KI-gestützten Hördiagnostik unterstützen wir eine zukunftsweisende Technologie. Hessen bringt Künstliche Intelligenz dorthin, wo sie ganz konkret den Menschen hilft“, sagt Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus. „Das Projekt verbindet exzellente Forschung mit der Innovationskraft eines hessischen Unternehmens. Genau solche Kooperationen fördern wir mit Distr@l: praxisnahe Entwicklungen, die neue digitale Lösungen für zentrale gesellschaftliche Herausforderungen schaffen.“

Um die Hörleistung zu beurteilen, wird in der Regel als erstes ein sogenanntes Tondiagramm erstellt bei dem die Hörschwelle anhand von hohen, tiefen, lauten und leisen Tönen ermittelt wird. Ein Sprachaudiogramm gebe dagegen viel genaueren Aufschluss über das Hörvermögen, gehöre aber nicht zu den Standarduntersuchungen, erläutert Harald Bonsel, Geschäftsführer der Acousticon Hörsysteme GmbH, die audiologische Produkte, Messtechnik und Dienstleistungen anbietet. Bei diesem Test müssen in normaler Sprachlautstärke vorgespielten Worte nachgesprochen werden. „Dies ist der viel aussagekräftigere Test für einen Hörakustiker“, sagt Bonsel. Da auch diese Berufsgruppe unter dem Fachkräftemangel leide, soll in dem Projekt erprobt werden, ein Tool zu schaffen, mit dem mittels Künstlicher Intelligenz die Tests durchgeführt werden können. Die Hör-KI könne damit nicht nur die Hörakustiker entlasten und die Tests weniger fehleranfällig machen, sondern diese zum Beispiel auch in verschiedenen Sprachen durchführen, was aber erst in einem weiteren Schritt der Umsetzung angedacht sei.

„Es gibt Voruntersuchungen in Form von Bachelor- und Masterarbeiten an der Goethe-Uni, die vielversprechend sind und zeigen, dass es funktionieren kann“, sagt Bonsel. Daher sei aus der Abteilung Audiologische Akustik an der Universitätsmedizin in Frankfurt das Anliegen für das Projekt an ihn herangetragen worden. Die Abteilung forscht an neuen Sprachtestmethoden, die Alltagssituationen besser abbilden können und hat große Erfahrung in der Durchführung klinischer Studien. „Wir arbeiten schon sehr lange zusammen, denn eine Kooperation bringt unsere Kunden voran und wir können ein besseres Angebot machen.“

Erkennen von Dialekten und Störgeräuschen

Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines neuartigen digitalen Audiometrie-Systems, das Künstliche Intelligenz, automatische Spracherkennung und Multimikrofontechnologie kombiniert. Es soll dazu eine KI entwickelt und trainiert werden, die Sprachaudiogramme erstellen kann. Die technischen Herausforderungen liegen in der Entwicklung geeigneter Hardware zur Spracherkennung und -verarbeitung sowie in der Gestaltung und dem Training der Algorithmen zur Spracherkennung. Spannend sei, ob das System Dialekte erkennen könne oder auch undeutliche Aussprachen. Denn viele, die nicht gut hörten, sprächen auch undeutlich, erläutert der Experte. Beim Verstehen von Sprache sei viel kognitive Leistung erforderlich, gerade in geräuschstarken Umgebungen. Dieser Lärm könne im Labor dann ebenso künstlich erzeugt werden. Wenn das Projekt erfolgreich ist, soll ein als Medizinprodukt zugelassenes Hördiagnostiksystem entstehen.

Hintergrund

Mit Stand Januar 2026 sind bereits 170 Projekte mit einem Fördervolumen von rund 56 Millionen Euro bewilligt worden. Hinzu kommen rund 31 Millionen Euro Kofinanzierung aus der Wirtschaft, sowie rund 5,5 Millionen Euro aus dem EFRE Programm 21+. Ausführliche Informationen zum Projekt gibt es auf der Plattform LIDIA.

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