Quantencomputing eröffnet neue Möglichkeiten für Wirtschaft und Wissenschaft – und Hessen will diese Potenziale gezielt für konkrete Anwendungen nutzbar machen. Um die Chancen für den Standort Hessen systematisch zu erschließen, hat das Hessische Ministerium für Digitalisierung und Innovation den Hessischen Stakeholderdialog Quantencomputing 2026 initiiert. Die Ergebnisse wurden in dem Impulspapier „Quantencomputing als strategische Technologie für Hessen. Empfehlungen und Impulse aus dem Hessischen Stakeholderdialog Quantencomputing 2026“ zusammengeführt. Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus hat das Papier heute bei der Abschlussveranstaltung des Stakeholderdialogs mit rund 100 Teilnehmenden am Anwendungszentrum für KI und Quantencomputing Q and AI am Bertramshof in Frankfurt vorgestellt.
„Quantencomputing ist eine strategische Zukunftstechnologie mit großem Potenzial für Hessen. Entscheidend ist jetzt, dass wir dieses Potenzial gezielt in Anwendungen, Software und Algorithmen übersetzen – dort, wo für Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung konkreter Mehrwert entstehen kann. Hessen verfügt über eine starke Forschungsbasis, leistungsfähige digitale Infrastrukturen und innovative Unternehmen. Mit einer zentralen Anlaufstelle für Quantencomputing am Q and AI am Bertramshof wollen wir diese Stärken besser vernetzen, Orientierung geben und den Transfer in die Praxis beschleunigen“, erklärte die Ministerin.
Gute Ausgangslage, klare Handlungsprioritäten
Das Impulspapier zeigt: Hessen verfügt über gute bis sehr gute Rahmen- und Ökosystembedingungen für Quantencomputing. Dazu zählen eine starke Forschungsbasis, infrastrukturelle Vorteile durch die hohe Dichte an Rechenzentren sowie leistungsfähige Entwicklungsunternehmen, insbesondere Start-ups, die Lösungen für industrielle Anwendungen vorantreiben.
Besondere Anwendungspotenziale sieht das Papier im Finanzsektor, wo kurzfristig nutzbare Chancen bestehen. Mittel- und langfristig bieten auch Chemie und Pharma sowie Mobilität und Logistik große Potentiale. Zugleich macht der Dialog deutlich: Die Anwendungsreife in vielen Unternehmen ist noch gering. Umso wichtiger sind Orientierung, Zugang zu Infrastruktur, Fachkräfte, Pilotierungsmöglichkeiten und eine bessere Vernetzung der vorhandenen Akteurinnen und Akteure.
Aus dem Stakeholderdialog haben sich sechs zentrale Handlungsprioritäten ergeben: Zugang zu Rechenkapazitäten und Infrastruktur schaffen, Fachkräftebasis ausbauen, eine zentrale Anlaufstelle etablieren, Anwendungspotenziale sichtbar machen, Innovations-, Transfer- und Start-up-Ökosystem stärken sowie Sicherheit und digitale Souveränität ausbauen.
Zentrale Anlaufstelle am Q and AI in Frankfurt
Ein erster zentraler Schritt ist die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle für Quantencomputing am Q and AI am Bertramshof in Frankfurt. Diese soll Akteure des hessischen Quantencomputing-Ökosystems entlang der gesamten Wertschöpfungskette vernetzen. Geplant sind unter anderem der Aufbau einer Business Uni und eines zentralen Help Desk zur Erstberatung, Vernetzungsformate am Bertramshof, eine Matchmaking-Plattform, Transfermaßnahmen, auch speziell für den Mittelstand, sowie die Weiterentwicklung des Showrooms am Bertramshof zu einem Lern- und Erlebnisort für Quantencomputing. Ziel ist es, Hessen als Standort sichtbarer zu machen, Innovationen schneller in die Breite zu bringen und erfolgreiche Ansätze zügig in den Markt zu überführen.
„Unser Fokus liegt auf der Frage, wo Quantencomputing in Hessen konkreten Nutzen schaffen kann. Dafür brauchen wir starke Partnerschaften zwischen Forschung, Wirtschaft, Start-ups und Verwaltung. Die zentrale Anlaufstelle am Q and AI soll diesen Austausch bündeln und aus guten Ideen schneller anwendbare Lösungen machen“, betonte Sinemus.
Dreiteiliger Stakeholderdialog
Der Hessische Stakeholderdialog Quantencomputing 2026 ist eine dreiteilige Veranstaltungsreihe des Digitalministeriums. Sie richtete sich an zentrale Akteurinnen und Akteure aus Unternehmen, Start-ups, Wissenschaft und Verwaltung. In Branchenworkshops zu Finanzen, Mobilität und Logistik, Chemie und Pharma sowie Rechenzentren wurden sektorspezifische Aktivitäten, Bedarfe und Anwendungsperspektiven erarbeitet. Ein weiterer Workshop fand mit den hessischen Institutionen der Digitalisierung statt. Die dort gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage des nun vorliegenden Impulspapiers.
Bei der Abschlussveranstaltung wurde das Impulspapier vorgestellt und in einem Panel mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Transfer und Verwaltung diskutiert. Begleitend zeigte das Q and AI-Exponate regionaler Quantencomputing-Unternehmen und Start-ups. Prof. Dr. Dr. Thomas Lippert von der Goethe-Universität Frankfurt hielt zudem eine Keynote „Logische Qubits für reale Werte“.