Hessisches Ministerium für Digitalisierung und Innovation

Frankfurt erfasst Besucher mit Lasertechnik

Wie viele Menschen besuchen den Weihnachtsmarkt? Wann wird es auf öffentlichen Plätzen besonders voll? Und wie intensiv werden Sportanlagen tatsächlich genutzt? Die Stadt Frankfurt will solche Fragen künftig mithilfe moderner Lasertechnologie beantworten.

Das Land unterstützt das Vorhaben im Rahmen der Förderung smarter Kommunen und Regionen im Programm „Starke Heimat Hessen“ mit 380.000 Euro. Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus hat den entsprechenden Förderbescheid nun auf den Weg gebracht.

Sensoren liefern anonymisierte Daten

„Wer eine Stadt gut planen und sicher gestalten will, muss wissen, wie die Menschen ihre öffentlichen Räume tatsächlich nutzen. Mit LiDAR-Technologie lassen sich Bewegungen und Besucherströme präzise erfassen, ohne dass dabei Bilder von Personen entstehen. So können Kommunen bessere Entscheidungen treffen und zugleich die Privatsphäre der Menschen schützen. Wir unterstützen mit unserer Förderung eine Technologie, die für viele hessische Städte und Gemeinden interessant ist“, sagte Sinemus.

Für das Projekt sollen zehn LiDAR-Sensoren in unterschiedlichen Stadtgebieten installiert werden. LiDAR steht für „Light Detection and Ranging“. Die Technologie tastet ihre Umgebung mithilfe von Laserimpulsen ab und erstellt daraus ein dreidimensionales Abbild des erfassten Raums. Anders als herkömmliche Videokameras erzeugen die Sensoren keine Fotos oder Filmaufnahmen. Stattdessen entstehen sogenannte Punktwolken, anhand derer sich beispielsweise erkennen lässt, wie viele Menschen sich an einem Ort aufhalten, in welche Richtung sie sich bewegen und wie dicht eine Menschenmenge ist.

Daten helfen bei Planung und Wirtschaftsförderung

Die Daten werden direkt auf den Geräten ausgewertet. An die städtische Datenplattform werden ausschließlich anonymisierte Analyse- und Zähldaten übertragen. Damit sollen präzise Informationen über die Nutzung öffentlicher Räume gewonnen werden, ohne einzelne Personen zu identifizieren. Ein Anwendungsfall ist die Sicherheit bei Großveranstaltungen wie der Weihnachtsmarkt oder an öffentlichen Sportstätten. Mithilfe der Sensoren sollen Besucherströme und die Dichte von Menschenmengen erfasst werden. So könnten beispielsweise Engstellen oder ungewöhnlich hohe Besucherzahlen frühzeitig erkannt werden. Die Informationen sollen Sicherheits- und Rettungskräften helfen, ihre Einsätze besser zu planen.

Eine Besonderheit ist die geplante Installation: Die Sensoren sollen vorhandene Stromanschlüsse nutzen, beispielsweise an Straßenlaternen. Die Datenübertragung erfolgt über das Mobilfunknetz. Dadurch sind weder aufwendige Tiefbauarbeiten noch neue kabelgebundene Internetanschlüsse erforderlich. Das soll die Installation vereinfachen und die Kosten für einen späteren Einsatz an weiteren Standorten reduzieren. Die gewonnenen Informationen sollen mit weiteren Daten auf der bestehenden städtischen Datenplattform zusammengeführt werden. Dazu zählen beispielsweise Wetter- und Veranstaltungsdaten, Informationen zur Verkehrslage sowie anonymisierte wirtschaftliche Kennzahlen. Auf dieser Grundlage will Frankfurt untersuchen, wie sich unterschiedliche Faktoren auf die Nutzung öffentlicher Räume auswirken. Auch für die Wirtschaftsförderung sind die Daten interessant. Durch die Verknüpfung von Besucherzahlen mit Veranstaltungs- und Wirtschaftsdaten will die Stadt beispielsweise untersuchen, wie sich Veranstaltungen auf die Besucherfrequenz und die wirtschaftliche Entwicklung einzelner Standorte auswirken.

Weitere Einsatzfelder für die Sensordaten

Ein weiterer Einsatzbereich ist die bedarfsgerechte Planung öffentlicher Sport- und Freizeitangebote sowie der sozialen Infrastruktur. Die Stadt könnte künftig genauer erkennen, welche Anlagen und öffentlichen Räume zu welchen Zeiten besonders stark genutzt werden. Diese Informationen sollen dazu beitragen, Bedarfe und Nutzungsmuster frühzeitig zu erkennen und Investitionen, Instandhaltungsmaßnahmen sowie die Weiterentwicklung der sozialen Infrastruktur am tatsächlichen Bedarf der Bevölkerung auszurichten. Die Geräte können während des Projektzeitraums an andere Standorte versetzt werden, um unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten und räumliche Bedarfe zu erproben.

Eileen O’Sullivan, zuständige Dezernentin für Digitales sagte: „Mit der skalierbaren LiDAR-Technologie schaffen wir wichtige digitale Grundlagen dafür, Frankfurt resilienter und zukunftsfähiger zu gestalten. Besonders spannend ist für mich, dass wir dabei nicht nur eine konkrete Lösung für Frankfurt entwickeln, sondern einen Ansatz schaffen, der auch für andere Städte und Kommunen in Hessen zum Vorbild werden kann. Denn gerade bei der Digitalisierung muss nicht jede Kommune das Rad neu erfinden. Wenn wir Lösungen teilen, kommen wir gemeinsam schneller voran.“

Hintergrund Förderprogramm „Starke HEimat Hessen“

Mit dem Programm „Starke Heimat Hessen“ werden die Kommunen bei wichtigen Zukunftsprojekten unterstützt. Über die Förderung smarter Kommunen und Regionen im Programm „Starke Heimat Hessen“ stellt das Land seit 2021 rund 15,5 Millionen Euro jährlich für kommunale Digitalisierungsvorhaben bereit. Bisher wurden beziehungsweise werden 149 Vorhaben mit einer Gesamtfördersumme von rund 110 Millionen Euro bewilligt. Seit 2025 ergänzt eine neue Förderlinie das Programm: Sie unterstützt die Nachnutzung erprobter, datenplattformbasierter Lösungen. Seit 2026 können Kommunen im neuen Förderprogramm „kommunal.digital.hessen“ eine Förderung von Basistechnologien zur Verwaltungsdigitalisierung aus Mitteln des Programms „Starke Heimat Hessen“ beantragen.

Um die Kommunen zu unterstützen, Austausch und Vernetzung zu ermöglichen, hat die Hessische Landesregierung im Frühjahr 2020 die Geschäftsstelle Smarte Regionen im Haus der Digitalministerin eingerichtet. Durch die Formate des Wissenstransfers der Geschäftsstelle Smarte Region, etwa durch die Best-Practice-Datenbank oder Erfahrungskreise, profitieren auch nicht geförderte Kommunen von der Förderung.

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