Die Gemeinden Aarbergen und Hohenstein wollen daher ein KI-gestütztes Starkregen- und Hochwasserfrühwarnsystem installieren. Möglich wird das Projekt „Aufbau eines Starkregenfrühwarnsystems in einem digitalen Zwilling“ durch die Förderung smarter Kommunen und Regionen im Programm „Starke Heimat Hessen“. Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus hat den Bescheid über fast 500.000 Euro nun auf den Weg gebracht.
„Die Folgen des Klimawandels machen sich auch in Hessen immer häufiger durch Starkregen und Hochwasser bemerkbar. Deshalb investieren wir gezielt in digitale Frühwarnsysteme, die Menschen schützen und Einsatzkräfte unterstützen.“ Mit dem Projekt im Rheingau-Taunus-Kreis wächst das hessenweite Netz intelligenter Warnsysteme weiter. „So zeigen wir, wie Digitalisierung ganz konkret dazu beiträgt, Leben zu schützen, Schäden zu begrenzen und unsere Kommunen widerstandsfähiger gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels zu machen“, sagte die Ministerin. Seit 2021 hat das Hessische Digitalministerium in zahlreichen Kommunen Starkregenfrühalarmsysteme gefördert. Mit den 2026 neu ausgesprochenen Förderungen wie in Aarbergen und Hohenstein gibt es nun beziehungsweise künftig auf rund 57 Prozent der Fläche Hessens ein Warnsystem. Damit profitieren rund 62 Prozent der Bevölkerung. Aktuell oder künftig gibt es in 14 der 21 hessischen Landkreise sowie in drei der sechs kreisfreien Städte ein derartiges Warnsystem.
Aarbergen und Hohenstein verfügen bereits über Starkregengefahrenkarten, welche die Überflutungs- und Gefährdungsbereiche durch Starkregen und Sturzfluten in den Gemeindegebieten ausweisen und Aufschluss über Überflutungstiefen, Gefährdungsbereiche, Fließwege, Fließgeschwindigkeiten, Belastungen der Abwasseranlagen und Bodenbeschaffenheiten liefern. Diese Projektdaten sollen dreidimensional in einem datenbasierten und visuellen digitalen Zwilling der Gemeindegebiete dargestellt werden. In den digitalen Zwillingen sollen dann Daten integriert werden, die durch in den Gemeinden installierte Sensoren zur Messung und Sammlung von Wetterdaten, Niederschlagsmengen, Pegelständen in Gewässern und Kanälen erfasst werden. Die Ergebnisse des Starkregenfrühwarnsystem werden in dem digitalen Zwilling visualisiert, so dass dem Katastrophenschutz sowie der Bevölkerung räumliche Informationen über die Gefährdungsgebiete, die darin enthaltenen sensible und kritische Infrastruktur sowie Handlungsempfehlungen zu Schutzmaßnahmen zugänglich gemacht werden.
Besser auf Starkregenereignisse vorbereiten
Vorlage für den Aufbau des digitalen Zwillings ist das Projekt der Gemeinde Hofbieber zur Erstellung einer Klimabilanz in einem digitalen Zwilling. Diese digitalen Zwillinge ermöglichen vielfältige komplexe projektbezogene Erfassungen von Parametern, Simulationen und Auswertungen in den Gemeindegebieten durch digitale Bearbeitung, ohne weitere örtliche Bestandsdatenerhebungen. Es ist denkbar, dass auch weitere Anwendungsfälle wie Umwelt- und Energiesensoren künftig in den digitalen Zwilling der Gemeinden Aarbergen und Hohenstein integriert werden, um zum Beispiel die energetische Steuerung öffentlicher Räume im Zusammenwirken mit der Nutzung der Liegenschaften vorzunehmen.
Marion Janßen, Bürgermeisterin Aarbergen: „Starkregenereignisse können innerhalb kürzester Zeit große Schäden verursachen. Deshalb ist es wichtig, dass wir als Gemeinde Aarbergen frühzeitig vorsorgen und unsere Bürgerinnen und Bürger bestmöglich schützen. Mit der Unterstützung des Landes Hessen können wir unsere Warn- und Vorsorgemaßnahmen weiter verbessern und im Ernstfall wertvolle Zeit gewinnen. Bevölkerungsschutz ist eine gemeinsame Verantwortung. Umso wichtiger ist es, dass Land und Kommunen dabei eng zusammenarbeiten. Für Aarbergen ist klar: Wir investieren heute in Sicherheit und Schutz, damit wir morgen im Ernstfall gut vorbereitet sind.“
Patrick Berghüser, Bürgermeister Hohenstein: „Mit der Förderung des Landes können wir Hohenstein künftig besser auf Starkregenereignisse vorbereiten. Nach der Inbetriebnahme wird das Frühwarnsystem insbesondere in Strinz-Margarethä und Hennethal frühzeitig vor drohenden Gefahren warnen und dadurch wertvolle Zeit für die Einleitung von Schutzmaßnahmen schaffen. Es ist gut, dass das Land Hessen die Kommunen bei dieser wichtigen Aufgabe des Bevölkerungsschutzes unterstützt.“
Hintergrund Förderprogramm „Starke Heimat Hessen“
Mit dem Programm „Starke Heimat Hessen“ werden die Kommunen bei wichtigen Zukunftsprojekten unterstützt. Über die Förderung smarter Kommunen und Regionen im Programm „Starke Heimat Hessen“ stellt das Land seit 2021 rund 15,5 Millionen Euro jährlich für kommunale Digitalisierungsvorhaben bereit. Bisher wurden beziehungsweise werden 149 Vorhaben mit einer Gesamtfördersumme von rund 110 Millionen Euro bewilligt. Seit 2025 ergänzt eine neue Förderlinie das Programm: Sie unterstützt die Nachnutzung erprobter, datenplattformbasierter Lösungen. Seit 2026 können Kommunen im neuen Förderprogramm „kommunal.digital.hessen“ eine Förderung von Basistechnologien zur Verwaltungsdigitalisierung aus Mitteln des Programms „Starke Heimat Hessen“ beantragen.
Um die Kommunen zu unterstützen, Austausch und Vernetzung zu ermöglichen, hat die Hessische Landesregierung im Frühjahr 2020 die Geschäftsstelle Smarte Regionen im Haus der Digitalministerin eingerichtet. Durch die Formate des Wissenstransfers der Geschäftsstelle Smarte Region, etwa durch die Best-Practice-Datenbank oder Erfahrungskreise, profitieren auch nicht geförderte Kommunen von der Förderung.